Vita

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Der Spitzname „Dick“

Der am 29.12.1942 in Köln geborene Heinz Ganss wurde schon früh „Dick“ genannt, so wie es in Köln üblich ist, den Leuten Spitznamen zu verpassen, die ihre augenscheinlichste Eigenart bezeichnen. Seine Freunde und Fans fügten bald „King Size“ hinzu, was ein Tribut nicht nur an seine stattliche Figur, sondern insbesondere an sein Stimmvolumen ist.

In den frühen 60er Jahren spielte er, wie zur Zeit des großen Beat-Band-Fiebers üblich, in den verschiedensten Formationen mit, z.B. „Dick & The Shades“. Durch die viele Live-Erfahrung entwickelte sich der ungeschliffene Rohdiamant zum Frontmann mit ungeheurer, mitreißender Bühnenpräsens. Die vielen Wechsel bei den Bands, immer neue Hoffnungen, immer neue Enttäuschungen, das ewige Auf und Ab und Hin und Her weckte seine Kämpfernatur. Er gab nie auf, machte weiter, weil er an die Musik und an sein Talent glaubte.

Die 60er Jahre
Als Soldat in Wales

Und damit stand er nicht alleine. Gerne denkt er an seine Zeit als Soldat im fernen Wales, wo er „nebenbei“ Gast-Vocalist bei der populären Band „Brian Poole & The Tremoloes“ war, die mit ihrem Hit „Silence is golden“ gerade die Hitparaden erobert hatte. Dieses Erlebnis ließ dem bis dahin vom Leben nicht gerade verwöhnten „Rockviech“ keine andere Wahl – sein Weg war bestimmt.

Was sich da wochenends in den ersten Live-Schuppen der Kölner Altstadt aus den kleinen Lautsprechern quälte, war erhaben über die Polemik und Feindlichkeit einer Elterngeneration, die sich erstmals mit offensichtlich unzufriedenen, langhaarig protestierenden Sprößlingen konfrontiert sah.

Die neue Generation
Kölsch-Rock

Bands kamen und gingen. Die 70er Jahre brachten mit den „Bläck Fööss“ ein erstes Bekenntnis zum gerade erfundenen Kölsch-Rock, der sich – teils hoch gelobt, teils zutiefst verdammt – auch im Kölner Karneval etablierte. King Size Dick war immer mit dabei, mal mehr, mal weniger. Kritiker, voll des Lobes, sprachen einmal von einer dominierenden und überzeugenden „schwarzen Gesangspower“, ein andermal vom „Kölschen Joe Cocker“. Beides stimmt und noch mehr. Durch seine Berührungen mit dem Kölner Karneval, verbunden mit seinen urkölschen, traditionellen Wurzeln, entdeckte er auch seine Liebe zu traditionellem Kölschen Liedgut – heute gilt King Size Dick zu recht als der Ostermann-Interpret.
Ein Quantum an Musikalität und Sensibilität, welches mit seiner Statur gleichzusetzen ist. Und das sind immerhin knapp zwei Zentner. Das Attribut „King Size“ begründet hier seine Berechtigung.

Bald schon übernahm er bei den „Bläck Fööss“ den kräftezehrenden Gesangspart bei ihrem Erfolgstitel „Linda Lou“, der seitdem untrennbar mit dem Namen King Size Dick verbunden ist.

Bläck Fööss
Dick & Alex

Ende der 70er Jahre setzte er in der Formation „Dick & Alex“ zusammen mit dem Gitarristen und Songschreiber Alex Parche mit Songs wie „Schweine in weißen Westen“ Maßstäbe auf dem Gebiet Deutschrock.

Anfang der 80er Jahre brachte er in mit seiner damaligen Band „die Fädije“ einige schöne Covernummern mit kölschen Texten heraus, die heute noch in seinem Repertoire zu finden sind (Knastrock = Jailhouse Rock).

Dick und die Fädije
„Kölle am Rhing“

Einen Riesenhit landete er mit „Kölle am Rhing“, einer Coverversion von Sinatras „New York, New York“. Mit dieser Liebeserklärung an seine Heimatstadt setzte er sich ein musikalisches Denkmal, das neben „Linda Lou“ zu seinem Markenzeichen geworden ist.

Ende der achtziger Jahre begann die musikalisch hochproduktive Phase der Zusammenarbeit mit dem Kölner Komponisten, Arrangeur und Keyboarder Martin Doepke. Dabei kamen u.a. anderem die beiden soulorientierten LPs „Bes he hin un nit wigger“ und „Drum“ heraus, bestehend teils aus Coverversionen,
teils aus Eigenkompositionen, die sich homogen ergänzen. Weiterhin arbeitete Martin Doepke an einigen Singles, die in der jeweiligen Karnevalssession Hits wurden. Auch ein stimmungsvolles Weihnachtsalbum entstand in dieser Zeit sowie die WDR-Fernsehsendung „King Size Dick live im Subway“.

Ende der 80er Jahre
King Size Dick
als Musicalstar

Ende 1993 übernahm King Size Dick die Rolle der fleischfressenden Pflanze in der kölschen Fassung des Musicals „Der kleine Horrorladen“ und hauchte der Pflanze bei knapp 100 Aufführungen „Soul“ ein. Mit
der CD zum Musical endete dann auch die Zusammenarbeit mit Martin Doepke, der aufgrund wachsender Verpflichtungen in große Zeitnot geriet.

Nachdem ihm der deutsche Schlagersänger und -produzent Erik Silvester Anfang 1995 den Ballermann-Hit „Hück danz dä Stier em Saal“ und eine neue Köln-Hymne „Kölle my love“ schrieb, begann die Zusammenarbeit mit dem Kölner Produzenten, Komponisten und Studiobesitzer Günter Weber. Die Krönung dieser Kooperation war Dicks zweites Weihnachtsalbum „Loss mer all nom Dom jon“. Es wurde 1995 im Kölner Subway für den WDR von Dieter Hens in Szene gesetzt und lief Weihnachten 1995 und nochmals 1997 mit großem Erfolg im Fernsehen.

Zusammenarbeit mit
Günter Weber
Weihnachten mit
King Size Dick

Am 20.12.1996 trat King Size Dick mit einigen seiner schönsten Weihnachtslieder in der Kölner Philharmonie auf, unterstützt von der weltbekannten „Willy Ketzer Big Band“, dem „King Size Dick-Chor“ sowie dem kompletten „Symphonie-Orchester des Oberbergischen Kreises“, dem „Chor des Theaters Gummersbach“ und dem „Gus-Anton-Chor Remscheid“. Reinold Louis, ein großer Kenner der kölschen Kultur, verband die einzelnen Lieder mit äußerst stimmungsvollen Moderationen und sehr viel Hintergrundwissen. Auch diesen Event zeichntete Dieter Hens für das WDR-Fernsehen auf und ließ es Heiligabend 1996 über die Bildschirme einer staunenden Nation flimmern.

Aufgrund des Riesenerfolges fand am 23.12.1997 ein neues Weihnachtskonzert in der Kölner Philharmonie statt, wobei King Size Dick wieder die komplette große Besetzung auffuhr. Noch etliche Titel wurden hinzugefügt, außerdem bot als Gast der Ausnahme-Panflötenspieler Matthias Schlubeck zwei umjubelte Solo-Einlagen mit dem Orchester dar. Den musikalischen Rahmen bildete diesmal King Size Dicks eigene Begleitband „The Kings Band“. Bereits im November war die Philharmonie restlos ausverkauft, so daß man sich entschloß, sogar die Sitzplätze hinter der Bühne noch mit in den Verkauf zu nehmen. Auch diese waren in kürzester Zeit komplett ausverkauft.

Auf ein neues
1998

Nach einer stressigen Karnevalssession hat sich King Size Dick zunächst einmal mit seiner Frau ein wenig Ruhe auf seinem Urlaubssitz auf Mallorca gegönnt. Dann begannen auch schon die Vorbereitungen für seine nächste Fernsehshow: Am 18. und 19. November wurde er im Kölner Jazz-Club „Subway“ mit seinen Jungs von „The Kings Band“ und seinem Chor in zwei Live-Konzerten ein Querschnitt seines Repertoires live aufgezeichnet, mit einem besonderen Augenmerk auf den Songs seines letzten Konzeptalbums „Drum“. Dieter Hens hat mit dem Material für den WDR eine Show mit dem Titel „King Size Dick ­ Su ben ich“ produziert. Die Ausstrahlung folgte dann am 9.2.1999.

Nachdem Dick sich inzwischen als der große Kölner Weihnachts-Star etabliert hatte, gab es natürlich zum Jahresende auch wieder etwas in diese Richtung, und zwar gleich zwei Konzerte, diesmal im großen Saal des Kölner Maritim-Hotels, und wie in den Jahren davor auch wieder mit großer Besetzung: „The Kings Band“, ein Sinfonieorchester, zwei Chöre ­ und natürlich ein tolles Publikum, das die Arbeit und das Herzblut, das Dick und seine Frau in dieses Projekt gesteckt haben, mit stehenden Ovationen zu würdigen wußte.

Rock’n’Roll, Deutschrock, Kölschrock, Pop, traditionelle und neue Karnevalsmusik, Schlager und Stimmung, Gospel und überzeugende Weihnachstlieder – King Size Dick hat sich auf allen Gebieten meisterhaft bewährt.
Er kann mit Recht als einer der vielseitigsten Interpreten und Live-Künstler Deutschlands bezeichnet werden – wobei zu seinen musikalischen Fähigkeiten noch eine mitreißende Bühnenpräsenz kommt. Er kriegt jedes Publikum auf seine Seite; man spürt, daß alles, was er vorträgt, mit ehrlicher Überzeugung von tiefstem Herzen kommt. King Size Dick und sein Publikum – eine nie endende Liebe. Über all dem ein Künstler, ein Mensch, und vor allem: `ne echte kölsche Jung!

King Size Dick
`ne echte kölsche Jung!
Text: Inge Ganss, Michael Werner